Schülerstudium an der Uni Köln

"Noch Schüler und aber auch Student"

Als ich zum ersten Mal von der Möglichkeit hörte, als Oberstufenschüler/in neben dem regulären Unterricht in der Schule schon einmal an Veranstaltungen der Universität zu Köln teilnehmen zu können, war ich gleich Feuer und Flamme. Schon vor dem Abitur Universitätsluft schnuppern? Mehr und tiefere Einblicke in mein Interessengebiet gewährt bekommen? In Ruhe Zeit damit verbringen können, herauszufinden, ob mein angestrebter Weg in die Zukunft der richtige für mich ist?

Natürlich wollte ich das und zwar unbedingt! Noch am selben Tag suchte ich im Internet nach genaueren Informationen (http://www.mi.uni-koeln.de/Schuelerstudenten). Und gleich kamen erste Zweifel auf. Das Angebot richtete sich an Hochbegabte mit herausragenden Leistungen. Und ich war weder hochbegabt, noch hatte ich einen Schnitt von 1,0. Was ich hatte, war bloß überdurchschnittliches Interesse. Das allein war es letztlich auch, was mich dazu bewog, mich einfach mal zu bewerben. Denn schließlich, so sagte ich mir, hatte ich nichts zu verlieren.

Zuerst holte ich mir das Okay von Herrn Müller, dann machte ich mich an die Bewerbungsunterlagen: Ein von Herrn Büttner unterschriebener Antrag, der Lebenslauf, eine Kopie des letzten Zeugnisses und natürlich ein Anschreiben mit zureichend ausgedrückter Motivation. Da ich mich für zwei Fächer (Germanistik und Philosophie) bewarb, schickte ich diese Unterlagen auch gleich an zwei Ansprechpartner.

Nun hieß es warten. Schon wenige Tage später erhielt ich eine E-Mail von einem Philosophiedozenten, der mich zu einem Vorstellungsgespräch einlud. Ich war natürlich furchtbar aufgeregt. Doch wie sich herausstellte vollkommen grundlos: Es wurde ein lockeres, freundliches Gespräch, ich wurde noch einmal nach meiner Motivation und meinen Zukunftsplänen gefragt und am Ende saßen wir schon zusammen vor dem Computer und suchten passende Veranstaltungen für mich heraus. Etwa genauso verlief es ein paar Tage später im Bereich Germanistik. Kurz vor Semesterbeginn erhielt ich dann eine endgültige Email: Ich war für beide Fächer zugelassen worden. Ab sofort würde ich jeden Montag ein Einführungsseminar zur neueren deutschen Literatur, ein Seminar zur Logik und Argumentation und eine Vorlesung zur Einführung in die Ethik besuchen. Parallel dazu musste ich, dazu verpflichtete ich mich, den in der Schule verpassten Stoff jede Woche nacharbeiten.

Doch das war ein Aufwand, den ich mir zutraute und gern auf mich nahm. Am Morgen meines ersten Unitages war ich nervös. Vor allen Dingen befürchtete ich, die ganzen Räume nicht finden zu können. Aber auch dieses Mal merkte ich schnell, dass ich mich unnötig verrückt gemacht hatte. Die Raumpläne waren verlässlich, und wenn nicht, hatte man die freie Auswahl zwischen mehreren hundert Studenten, die sich bestens auskannten und bereitwillig halfen.

Auch in den Seminaren fühlte ich mich gleich wohl und willkommen. Das Einzige, was mich zunächst skeptisch machte, war, dass der Schwierigkeitsgrad des Unistoffes sich nicht sonderlich von dem des Schulstoffes unterschied. Einzig und allein die Fülle an Informationen nahm zu, so konnte es gut sein, dass man in einer Vorlesung weit mehr erfuhr als in zwei Wochen Schule.

Die Tage in der Uni genoss ich sehr und merkte gar nicht, wie das Semester sich bald schon wieder dem Ende näherte. Zuvor standen aber noch die Klausuren an. Obwohl ich überhaupt keine Vorstellung davon hatte, wie eine Klausur in der Uni aussehen könnte, hatte ich mich, wie sich herausstellte, perfekt darauf vorbereiten können und so endete mein erstes Semester mit einem Erfolgserlebnis.

Die Semesterferien und der für mich nun schon montags wieder beginnende Schulalltag zeigten mir, dass ich mittlerweile sogar lieber zur Uni als zur Schule ging. Genau deshalb kann ich es nun auch kaum noch erwarten, bis mein „richtiges“ Studium endlich anfängt.

Ich kann jedem, dessen Interesse in gewissen Fächern über den Lehrplan der Schule hinausgeht und der glaubt, den doppelten Lernaufwand bewältigen zu können, nur empfehlen, ein Schülerstudium zu wagen. Nicht nur, dass es unglaublich anregend ist, es ist vor allem eine sehr entspannte Möglichkeit, sich schon einmal auf den plötzlichen Wechsel im Leben nach dem Abitur einzustimmen.

Bewerbungsschluss für das Sommersemester ist stets der 31. März, für das Wintersemester der 31. September.

Jennifer Segebrecht

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