Zur Geschichte und zum Namen des Gymnasiums in Brauweiler

Aller Anfang ist schwer...

Die Gründung und der Beginn des Gymnasiums Brauweiler fiel in eine Zeit großer gesellschaftspolitischer Veränderungen:

Die wenigen existierenden Gymnasien im Umland von Köln platzten in den 1960er Jahren aus allen Nähten. Deshalb bemühte sich die damals noch existierende Gemeinde Brauweiler ab 1965 um die Errichtung eines Gymnasiums. Es begann eine „unendliche Geschichte“, die erst 1973/1974 ein glückliches Ende fand.

Die Gemeinde Brauweiler wünschte wegen ihrer schlechten finanziellen Lage ein staatliches Gymnasium, das Land NRW lehnte dies ab und verwies auf die Möglichkeit, mit Pulheim, Stommeln und Sinnersdorf ein kommunales Gymnasium zu errichten.

Als dann die drei Gemeinden Brauweiler 1968 im Regen stehen ließen und ihr eigenes Gymnasium in Pulheim beschlossen, war Brauweiler auf die damals existierende Gemeinde Lövenich angewiesen. Beide gründeten einen sog. Gymnasial-Zweckverband. Das daraus hervorgegangene Gymnasium nahm im August 1968 in Königsdorf mit 185 Schülerinnen und Schülern seinen Betrieb auf.

Als dann 1970 die Gemeinde Lövenich wegen der Raumnot in der ehemaligen Volksschule in Königsdorf einen Neubau an der Ostlandstraße in Weiden plante, stieg die Gemeinde Brauweiler aus dem Verband mit Lövenich aus. Zeitgleich hatte der Gemeinderat Brauweiler den Bau eines Schulzentrums für Haupt- und Realschule an der Kastanienallee in Brauweiler geplant. Im Mai 1972 fasste der Gemeinderat zudem den Beschluss, das Schulzentrum für ein dreizügiges Gymnasium zu öffnen.

Der Brauweiler Rat hatte allerdings die Rechnung ohne die übergeordneten Behörden gemacht. Denn im Genehmigungsverfahren stellten sich alle anderen Instanzen (Oberkreisdirektor, Regierungspräsident, Innen- und Finanzministerium) quer. In diesem Gerangel arbeiteten beide Seiten mit sehr unterschiedlichen Prognosezahlen über die zu erwartenden Schülerzahlen.

Schließlich erreichte die Gemeinde Brauweiler im Juni 1973 einen ersten Teilerfolg, denn in der Landeshauptstadt genehmigte man eine „Nebenstelle des Gymnasiums Pulheim“ in Brauweiler. Der Brauweiler Rat hatte schon einen Monat vorher Franz Keulen zum neuen Schulleiter bestimmt, der faktisch aber nur Leiter einer Nebenstelle war.

Trotzdem führte man in Brauweiler von Anfang an sehr selbstbewusst einen eigenen Briefkopf „Gymnasium Brauweiler i.E.“ (Gymnasium Brauweiler in Erweiterung).

Die Geschlossenheit und Aktionen für ein eigenständiges Gymnasium aller im Brauweiler Rat versammelten Parteien und die Anmeldezahlen für das Schuljahr 1974/75 (152 Schülerinnen und Schüler) führten schließlich dazu, dass am 28. Juni 1974 Gemeindevertreter aus der Hand von Ministerialrat Pöttgen in Düsseldorf die tags zuvor ausgestellte Gründungsurkunde für ein eigenständiges Brauweiler Gymnasium erhielten.

Dieses Gymnasium fand seinen Platz in einem Schulzentrum, das von dem Düsseldorfer Architekten Christoph Parade in sog. Skelettbauweise mit vorgehängter Fassade geplant worden war und in nur zwei Jahren Bauzeit errichtet wurde. Am 26. März 1974 konnte es offiziell seiner Bestimmung übergeben werden.

Als dann am 1. Januar 1975 die kommunale Neuordnung in Kraft trat und die ehemalige selbständige Gemeinde Brauweiler aufgelöst wurde, besaß die neue Gemeinde Pulheim mit einem Schlag zwei selbständige Gymnasien.

Das Jahr 1991 bedeutete für die offizielle Außendarstellung des Brauweiler Gymnasiums einen weiteren wichtigen Schritt. Nach langen, heftigen Diskussionen – insbesondere in der Schulgemeinde – einigte man sich auf einen Schulnamen: „Abtei-Gymnasium Brauweiler“. Die Befürworter wollten damit zum einen auf die Verwurzelung und Verbundenheit der Schule mit dem Ort Brauweiler hinweisen, denn die ehemalige Benediktinerabtei  ist seit ihrer Gründung 1024 über die Säkularisierung hinaus bis heute der Identifikationspunkt des Ortes schlechthin. Zum anderen sind mit dem Komplex „Abtei“ zahlreiche und wesentliche Kristallisationspunkte deutscher und europäischer Geschichte – sowohl positiver als auch negativer Art – verbunden, deren Thematisierung und Aufarbeitung im Sinne eines schulischen Leitbildes Verpflichtung sein sollten.

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